Cannonau di Sardegna DOC ist die große rote Herkunftsbezeichnung der Insel und umfasst sehr unterschiedliche Landschaften: granitische Verwitterungsböden der Gallura, Schiefer und metamorphe Gesteine des Nuorese, kalkhaltige und tonige Zonen des zentralen und südlichen Sardiniens sowie warme Küstenebenen. Reben wachsen vom mediterran geprägten Meeresniveau bis zu kühleren, höher gelegenen Hügellagen. Mistral, starke Sonneneinstrahlung, trockene Sommer und große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht fördern gesunde Trauben und verleihen den Weinen zugleich reife Frucht, Würze und Frische.
Die Sorte Cannonau muss den Wein deutlich prägen; sie wird durch begrenzte Anteile weiterer roter, in Sardinien zugelassener Sorten ergänzt. Cannonau entspricht genetisch der weit verbreiteten Grenache-Familie, besitzt auf Sardinien jedoch eine lange, eigenständige Tradition und zahlreiche lokale Biotypen. Besonders in den Binnenlagen zeigen alte Reben kleine, konzentrierte Beeren, deren dickere Schalen Farbe, Gerbstoff und aromatische Tiefe liefern. Die Reberziehung reicht von traditionellen Alberello-Anlagen, die Trockenheit und Wind gut standhalten, bis zu modernen Drahtrahmensystemen. Sorgfältige Laubarbeit und eine dem Standort angepasste Lese sind entscheidend, um die rasch steigende Zuckerreife mit lebendiger Säure und phenolischer Reife zu verbinden.
Die Rotweine werden überwiegend auf den Schalen vergoren; Dauer und Temperatur der Maischung bestimmen, ob ein duftiger, saftiger Stil oder ein dichter, strukturierter Wein entsteht. Der Ausbau erfolgt je nach gewünschtem Ausdruck in neutralen Behältern, großen Holzfässern oder kleineren Eichenfässern. Daneben kennt die DOC Rosato, Passito und Liquoroso: Rosati entstehen durch kurze Schalenkontaktzeit, Passiti aus am Stock oder nach der Lese getrockneten Trauben, Liquorosi durch Aufspritung. Historisch wird Cannonau häufig mit einer iberischen Einführung in Verbindung gebracht; archäologische und genetische Befunde unterstreichen zugleich seine tief verwurzelte sardische Entwicklung. Die Bezeichnung wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen, um diese inselweite Vielfalt unter dem Namen der Leitsorte zu ordnen.