Carema DOC stammt aus einem kleinen alpinen Weinbaugebiet im äußersten Norden des Piemont, nahe der Grenze zum Aostatal. Die Rebflächen liegen an steilen, nach Süden und Südwesten ausgerichteten Hängen über dem Dora-Baltea-Tal. Das Landschaftsbild wird von schmalen Terrassen und der historischen Erziehungsform der „Topie“ geprägt: Die Reben wachsen hoch auf schlanken Steinpfeilern, die durch horizontale Träger aus Holz verbunden sind. Dieses System hält die Vegetation über dem Boden, begünstigt Licht und Luftbewegung und erlaubt den Reben, die Wärme der steinernen Strukturen zu nutzen.
Die Böden sind überwiegend flachgründig, steinig und arm, mit Anteilen von Gneis, Granit, Glimmerschiefer und Moränenmaterial. Ihre gute Drainage zwingt die Wurzeln tief in die Spalten des Untergrunds. Das subalpine Klima verbindet kühle Nächte, deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, trocknende Winde und eine lange Vegetationsperiode. Die geschützte Exposition der Terrassen ist dabei wesentlich, damit die Trauben langsam und vollständig reifen können.
Hauptrebsorte ist Nebbiolo, der hier traditionell Picotendro genannt wird und mindestens 85 Prozent des Weins ausmacht. Ergänzend sind begrenzte Anteile weiterer zugelassener roter Rebsorten möglich. Picotendro ergibt duftige, strukturierte Weine mit fester Säure, ausgeprägtem Tannin und einer oft mineralisch-balsamischen Prägung. Die Lese erfolgt in der Regel spät und erfordert wegen der Hanglagen und der Pergolakonstruktionen sorgfältige Handarbeit.
Nach einer Maischegärung zur Gewinnung von Farbe, Gerbstoffen und aromatischer Tiefe folgt ein langer Ausbau. Carema muss vor der Freigabe mehrere Jahre reifen, davon einen wesentlichen Teil im Holz; für Riserva gelten längere Reifezeiten. Der Holzausbau dient nicht der Überdeckung des Nebbiolo-Charakters, sondern der Verfeinerung seiner Gerbstoffe und der Entwicklung komplexer Noten von getrockneten Blüten, Gewürzen und Unterholz. Die DOC wurde 1967 anerkannt und bewahrt eine Weinbaukultur, deren Ursprünge weit in die lokale Berggeschichte zurückreichen.