Chianti Classico DOCG stammt aus dem historischen Kerngebiet zwischen Florenz und Siena, einer vielgestaltigen Hügellandschaft mit Rebflächen in Gemeinden wie Castellina, Gaiole, Greve und Radda in Chianti sowie Teilen benachbarter Gemeinden. Das Gebiet liegt in Höhenlagen, die kühle Nächte und eine lange Vegetationsperiode begünstigen. Seine Böden sind außerordentlich differenziert: Galestro, ein brüchiger mergeliger Schiefer, Alberese, ein kalkreicher Steinboden, sowie Sand, Ton und Gesteine unterschiedlichen Ursprungs prägen die Standorte. Diese Vielfalt verbindet sich mit mediterranem Klima, kontinentalen Einflüssen und einer ausgeprägten Durchlüftung der Hügel.
Sangiovese ist die maßgebliche Rebsorte und muss mindestens 80 Prozent des Weines ausmachen; sie kann auch allein verwendet werden. Ergänzend sind weitere zugelassene rote Sorten möglich, darunter autochthone Trauben wie Canaiolo, Colorino und Mammolo sowie in begrenztem Umfang internationale rote Sorten. Weiße Rebsorten sind nicht zugelassen. Sangiovese bringt hier duftige Noten von Sauerkirsche, Veilchen und Kräutern, eine lebendige Säure, präzise Gerbstoffe und eine für die Lagerung geeignete Struktur hervor.
Der Weinbau ist von der Auswahl passender Expositionen, sorgfältiger Laubarbeit und einer auf ausgewogene Reife gerichteten Lese geprägt. Die Vinifikation erfolgt als Rotweinbereitung mit Maischegärung; Temperaturführung, Dauer des Schalenkontakts und Behälterwahl bestimmen Stil und Gerbstoffprofil. Der Ausbau kann in großen Fässern, kleineren Holzgebinden, Zement oder Edelstahl erfolgen, häufig in Kombination. Neben der regulären Kategorie bestehen Riserva mit längerer Reifezeit und Gran Selezione, die aus Trauben des eigenen Betriebs erzeugt wird und besonders lange reifen muss.
Die Identität des Gebietes reicht weit zurück. Die historische Chianti-Liga wurde im Mittelalter mit dem Gebiet verbunden; 1716 grenzte ein großherzogliches Edikt einen frühen Kernbereich ab. Das Zeichen des Schwarzen Hahns, Gallo Nero, wurde zum historischen Emblem. Chianti Classico erhielt zunächst den DOC-Status und später die DOCG-Anerkennung und bewahrt heute eine eigenständige Herkunft neben den übrigen Chianti-Zonen.