Sfursat di Valtellina DOCG, auch Sforzato di Valtellina genannt, entsteht im oberen lombardischen Addatal. Die Weinberge liegen vor allem auf den steilen, terrassierten Hängen der rätischen Talseite, deren Reben nach Süden ausgerichtet sind. Trockenes, lichtreiches Alpenklima, starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sowie die steinigen, gut drainierten Böden aus Granit, Schiefer und anderen metamorph geprägten Gesteinen bestimmen den Charakter. Die Trockenmauern der Terrassen speichern Wärme, während die alpine Luft und die Winde des Tals für eine langsame, gesunde Reifung sorgen.
Hauptrebsorte ist Nebbiolo, die im Veltlin Chiavennasca heißt und den weitaus größten Anteil bilden muss. Ergänzend können in begrenztem Umfang weitere zugelassene rote Sorten verwendet werden. Der Weinbau erfordert wegen der Hanglagen überwiegend sorgfältige Handarbeit. Entscheidend sind eine ausgewogene Laubarbeit, eine kontrollierte Belastung der Reben und eine selektive Lese: Nur vollkommen gesunde, reife und lockerbeerige Trauben eignen sich für den Sfursat.
Seine Eigenart beruht auf dem Appassimento. Nach der Lese werden die Trauben auf natürliche Weise in gut belüfteten Räumen getrocknet. Dabei verdunstet Wasser, während Zucker, Säuren, Aromavorstufen und phenolische Bestandteile konzentriert werden. Die getrockneten Beeren werden im Winter oder zu Beginn des folgenden Jahres gekeltert. Es folgt eine vollständige Vergärung, die den Stil klar von süßen Passitoweinen unterscheidet: Sfursat ist ein trockener, strukturierter Rotwein. Der Ausbau erfolgt mit ausreichend langer Reifezeit, häufig in Holz und anschließend in der Flasche, um Tannine und Konzentration zu integrieren.
Die Tradition des Trocknens wurzelt in der alpinen Weinbaugeschichte des Veltlins. Der Name wird gemeinhin mit dem „Erzwingen“ oder Verstärken des Weins verbunden. Heute verbindet die DOCG diese historische Technik mit dem Ausdruck der Chiavennasca und der extremen Terrassenlandschaft.